Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen

5 5.9 Lernmethodische Kompetenz – Lernen, wie man lernt 63 ■ Projekte – Kombination von bereichsübergreifenden Bildungsprozessen und ganzheitlicher Kompetenzentwicklung. Da Projekte relativ lange dauern und ganz unterschiedliche Methoden zum Einsatz kommen, bieten sie einen idealen Rahmen dafür, alle Basiskompetenzen zugleich in den Blick zu nehmen und ihre Entwicklung durch bereichsübergreifende Bildungsprozesse zu unterstützen. Der fortwährende Wechsel von Methoden, wie z. B. Diskussion, Besichtigung, Experiment, Rollenspiel, Malen und Zeichnen, im Projektverlauf führt zu einem immer tieferen Eindringen in das Thema und dessen Struktur. Je nach verwendeten Methoden lernen Kinder andere Aspekte bzw. Bezüge zum Thema kennen. Beobachten, Erforschen, Experimentieren, Erfahren, Austausch, gemeinsame Reflexion, Bewegung, Gesang und bildnerischer Ausdruck bauen aufeinander auf und treiben den Wissens- und Kompetenzerwerb voran. Lernen in Projekten ist exemplarisches Lernen. Kinder erwerben Wissen und Kompetenzen, die sie auf andere Situationen im Alltag immer wieder übertragen können. In diesem Plan finden sich viele Beispiele für Projekte aus der Praxis. Strategisches Vorgehen Grundlagen Themenauswahl und Zielsetzung ■ Themenauswahl – Prinzip der Gegenseitigkeit. Der Anstoß, sich mit neuen Themen zu befassen, kann von den Kindern wie auch von den pädagogischen Fachkräften kommen. Wichtig ist, dass Vorschläge im Austausch konkretisiert werden: Wer immer ein Thema vorgeschlagen hat, es wird erst dann zu einem gemeinsamen Thema, wenn es die Sichtweisen der Kinder aufgreift und daran anknüpft – diese sind Bezugspunkt für jedes Thema. Wenn Erwachsene neue Themen einführen wollen, dann gilt es, einfühlsam auf die Kinder zu reagieren. Kriterien, dass ein Thema nach dem Gegenseitigkeitsprinzip ausgewählt wurde, sind: Die Kinder nehmen das Thema mit Interesse auf, sie stellen viele Fragen und bringen Ideen ein, sie vertiefen sich in die Arbeit und haben Freude daran, sie sind auch dann noch mit Konzentration bei der Sache, wenn es Zeit zum Abbrechen wird. Neue Impulse sind zu setzen, wenn ihre Aufmerksamkeit nachlässt. Ein vielen Kindern vertrautes Thema sollte nicht weiterverfolgt werden. ■ Zielsetzung und Themeneingrenzung. Bei neuen Themen sind die Lernangebote sorgfältig zu planen: Welche Ziele werden angestrebt? Welche Inhalte sind hierfür bedeutsam? Beide Fragen sind gleichzeitig zu klären, da sie sich aufeinander beziehen. Damit die Kinder im Projektverlauf etwas Neues lernen und verstehen können, sind ausgewählte Themen einzugrenzen: Worauf ist die Aufmerksamkeit der Kinder zu lenken? Welche Verstehensprozesse werden dadurch angestoßen? Erste Anhaltspunkte hierfür bieten entwicklungspsychologische Erkenntnisse. Ein Beispiel (nach Gisbert): Beim Thema „Weltraum“ können kleinere Kinder noch nicht die Komplexität des Universums erfassen, aber das Verhältnis der Erde zur Sonne und zu anderen Planeten verstehen. Die endgültige Themeneingren-

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