Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen

8 8.2 Moderierung von Bildungs- und Erziehungsprozessen 423 ■ Ein bewusstes Bekenntnis zur Bildung einer lernenden Gemeinschaft ■ Die Entwicklung von Lernprozessen und ‑materialien, die das demokratische Miteinander und die Kooperation fördern und reale Problemstellungen im Fokus haben ■ Den Dialog zur Erforschung von Ideen und Gefühlen innerhalb der Gruppe ■ Die Bildung von Lernprozessen, bei denen alle Kinder einbezogen werden ■ Die Entwicklung von tiefen, fürsorglichen und bedeutungsvollen Beziehungen ■ Regelmäßige Aktivitäten in der Gesamtgruppe ■ Das Feiern des gemeinsam Erreichten ■ Die Wertschätzung von Forscherdrang Aufgaben der lernenden Gemeinschaft Mit der Bildung einer lernenden Gemeinschaft können pädagogische Fachkräfte die Lernprozesse der Kinder vielfältig unterstützen. Besonders das Gefühl der Zugehörigkeit kann bei Kindern Stress reduzieren und ihr Wohlbefinden, ihre Lernmotivation und ihr prosoziales Verhalten fördern, ihr Identitätsgefühl stärken, ihre Verhaltensregulation verbessern und ihr aktives Engagement und ihre Mitarbeit erhöhen. Für die Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls brauchen vor allem sehr kleine Kinder Erwachsene, die auf ihre Interessen eingehen, und Gelegenheiten zu Spielen, bei denen sie die Bedürfnisse, Rechte und Gefühle anderer kennenlernen. Da die Entwicklung von prosozialem Verhalten bereits im ersten Jahr beginnt, können auch kleine Kinder in das Bilden einer lernenden Gemeinschaft eingebunden werden. Kinder im Vorschulalter lernen über das Spiel Wesentliches über soziale Beziehungen. Vor allem durch das Rollenspiel kann mit Kindern eine lernende Gemeinschaft gebildet werden, denn durch das Spiel erfahren sie, was es heißt, Teil einer Gruppe zu sein, und wie Gruppen entstehen, in denen Austausch und Lernen möglich sind. So lernen sie auch die Prinzipien einer demokratischen Gemeinschaft kennen, indem sie im Spiel Regeln üben, ihre Rechte verteidigen und über Beziehungen verhandeln. 8.2.3 Philosophieren mit Kindern Philosophie wirft Fragen auf, die hinter dem, was wir für wahr halten, stehen, wobei ethische oder moralische Dimensionen eine besondere Rolle spielen (Werteorientierung und Religiosität ➛ Kap. 7.1). Durch Philosophieren, Nachfragen, Nachdenken, Konzeptbildung und Austausch von Ideen mit anderen werden Kinder zu einer kritisch nachfragenden Gemeinschaft, die nach demokratischen Prinzipien funktioniert. Notwendig für das Gelingen des Philosophierens mit Kindern ist eine positive Gruppenatmosphäre, in der alle Ideen wertgeschätzt werden und genügend Zeit für intensiven Austausch ist. Weiterhin braucht es anregende Materialien, die das Interesse der Kinder we-

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