Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen

8 8.2 Moderierung von Bildungs- und Erziehungsprozessen 421 Eine angemessene Gestaltung von Lernprozessen setzt eine elementare Didaktik sowie die Kompetenz voraus, Lernprozesse in der Gruppe professionell zu begleiten und zu stärken. Die Anwendung unterschiedlicher Ansätze trägt zur Optimierung früher Bildungsprozesse in der Tageseinrichtung bei. Im Folgenden werden die wichtigsten Ansätze beschrieben, wie sie in der internationalen Entwicklung von Bildungsplänen bislang Verwendung gefunden haben. Diese Ansätze zur Gestaltung früher Bildungsprozesse stehen nicht isoliert nebeneinander. Sie bedingen sich wechselseitig und durchdringen einander. 8.2.1 Bildungsprozesse mit Kindern kooperativ gestalten (Ko-Konstruktion) Ko-Konstruktion als pädagogischer Ansatz heißt, dass Lernen durch Zusammenarbeit stattfindet, also von pädagogischen Fachkräften und Kindern gemeinsam konstruiert wird. Der Schlüssel der Ko-Konstruktion ist die soziale Interaktion, sie fördert die geistige, sprachliche und soziale Entwicklung. Das Kind lernt, indem es seine eigenen Ideen und sein Verständnis von der Welt zum Ausdruck bringt, sich mit anderen austauscht und Bedeutungen aushandelt. Der reine Erwerb der Fakten tritt somit in den Hintergrund. Das Kind besitzt demnach eigene Ideen und Theorien, denen es sich lohnt, zuzuhören, die aber auch infrage gestellt werden können. Pädagogische Fachkräfte können mit Kindern Wissen ko-konstruieren, indem sie das Erforschen von Bedeutung stärker betonen als den Erwerb von Fakten. Für den Erwerb von Fakten sind Kinder aufgefordert zu beobachten, zuzuhören und sich etwas zu merken. Die Erforschung von Bedeutung dagegen heißt, Bedeutungen zu entdecken, auszudrücken und mit anderen zu teilen, ebenso wie die Ideen anderer anzuerkennen. Ko-Konstruktion wird durch den Einsatz von Gestaltung, Aufzeichnung und Dialog unterstützt. Gestaltung (z. B. Bilder) und Aufzeichnung (z. B. Projektaufzeichnungen, Notizen der Fachkraft, Lerntagebücher) ermöglichen es Kindern, ihre eigenen Ideen auszudrücken, sie mit anderen zu teilen und die Ideen anderer kennenzuler8.2 Moderierung von Bildungs- und Erziehungsprozessen

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