6 6.1 Übergänge des Kindes und Konsistenz im Bildungsverlauf (Transitionen) 89 6.1 Übergänge des Kindes und Konsistenz im Bildungs- verlauf (Transitionen) Leitgedanken Kinder wachsen heute in einer Gesellschaft auf, in der stete Veränderung sowohl auf gesellschaftlicher wie individueller Ebene zur Normalität gehört. Bereits das Leben der Kinder und das ihrer Familien sind von Erfahrungen mit Veränderungen und Brüchen geprägt. Nicht jede Veränderung im Leben ist zugleich ein Übergang. Übergänge sind zeitlich begrenzte Lebensabschnitte, in denen markante Veränderungen geschehen, und Phasen beschleunigten Lernens. Auslöser sind Ereignisse, die der Einzelne als einschneidend erlebt, weil sie für ihn erstmals oder nur einmal in seinem Leben vorkommen. Sie treten auf in der Familie (z. B. Heirat, Geburt eines Kindes, Trennung und Scheidung, Tod), bei der eigenen Person (z. B. Pubertät/Adoleszenz, schwere Krankheit), im Verlauf der Bildungsbiografie (z. B. Eintritt in die Kindertageseinrichtung, Übertritt in die Schule) und späteren Berufsbiografie (z. B. Einritt ins Erwerbsleben, in den Ruhestand, Arbeitslosigkeit). Es sind kritische Lebensereignisse, deren Bewältigung die persönliche Entwicklung voranbringen, aber auch erschweren kann, die Freude und Neugier auf das Neue ebenso hervorbringen kann wie Verunsicherung oder Angst. Ein Ansatz zur Beschreibung und Bewältigung von Übergängen stammt aus der Familienentwicklungspsychologie. Er ersetzt den alltagssprachlichen Begriff „Übergänge“ durch den theoretisch fundierten Fachbegriff „Transitionen“. Dies sind komplexe Veränderungsprozesse, die der Einzelne in der Auseinandersetzung mit seiner sozialen Umwelt durchläuft. Es sind Lebensphasen, die von hohen Anforderungen, Veränderungen der Lebensumwelten und einer Änderung der Identität geprägt sind und mit einer Häufung von Belastungsfaktoren einhergehen. Die Anpassung an die neue Situation muss in relativ kurzer Zeit in konzentrierten Lernprozessen geleistet und bewältigt werden. Der Transitionsansatz rückt die Herausforderung und damit die motivierende Seite von Anforderungen in den Blick, anstatt den Schwerpunkt auf Belastungen und Überforderungen zu setzen. Statt um Belastungsreakti-
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