5 5.10 Widerstandsfähigkeit (Resilienz) 73 KOMPETENTER UMGANG MIT VERÄNDERUNGEN UND BELASTUNGEN Resilienz ist die Grundlage für positive Entwicklung, Gesundheit, Wohlbefinden und hohe Lebensqualität sowie der Grundstein für einen kompetenten Umgang mit individuellen, familiären und gesellschaftlichen Veränderungen und Belastungen. Das Gegenstück von Resilienz ist Vulnerabilität, d. h. die persönliche Verwundbarkeit, Verletzbarkeit oder Empfindlichkeit gegenüber schwierigen Lebensumständen, die Entwicklungsrisiken bergen, und damit eine erhöhte Bereitschaft, psychische Störungen und Erkrankungen wie antisoziales und aggressives Verhalten, Ängste, Depressionen oder psychosomatische Störungen zu entwickeln. Die positive Entwicklung eines Kindes ist noch kein Ausdruck von Resilienz. Diese ist mehr als die Abwesenheit psychischer Störungen, sie schließt den Erwerb und Erhalt altersangemessener Kompetenzen zur konstruktiven Lebensbewältigung ein. Resilienz zeigt sich erst dann, wenn riskante Lebensumstände vorliegen und es dem Kind gelingt, diesen zu trotzen, besondere Bewältigungs- und Anpassungsleistungen zu erbringen und sie erfolgreich zu meistern. Erscheinungsformen von Resilienz sind insbesondere: ■ Positive, gesunde Entwicklung trotz andauernd hohem Risikostatus (z. B. Armut, psychische Erkrankung eines Elternteils, eigene chronische Erkrankung oder Behinderung) ■ Beständige Kompetenz auch unter akuten Stressbedingungen, die kritische Lebensereignisse (z. B. elterliche Trennung und Scheidung, Wiederheirat eines Elternteils) oder Lebensphasen erhöhter Vulnerabilität (vor allem Übergänge im Bildungsverlauf) auslösen ■ Positive bzw. schnelle Erholung von traumatischen Erlebnissen (z. B. Tod eines Elternteils, sexueller Missbrauch, Kriegserlebnisse) Resilienz ist ein hochkomplexes, dynamisches Phänomen. An dessen Entstehung sind risikoerhöhende Bedingungen (Belastungen, Stressoren, Risikofaktoren) und risikomildernde Bedingungen (Ressourcen, Schutzfaktoren) beteiligt. Risikomildernden Bedingungen kommt im Bewältigungsprozess riskanter Lebensumstände eine Schlüsselfunktion zu, sie können deren positive Bewältigung begünstigen sowie den Eintritt und die Verfestigung von 5.10 Widerstandsfähigkeit (Resilienz)
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